Am 27. September 2025 fand der allererste „Erzähltag“ in der Diözese statt. Dazu fanden sich Betroffene zusammen, die über ihre sexualisierte Gewalt berichten wollten. Dieser Tag wurde vom Betroffenenbeirat der Diözese zusammen mit dem Traumatherapeuten Harald Requardt vorbereitet und durchgeführt.
Entstanden ist dieses Format aus dem ersten Betroffenentag 2024 heraus, als die Meinungen und Gefühle der anwesenden Betroffenen – ob die trauma-tischen Schicksalsschläge eingebracht werden dürften – stark auseinander-gingen. Keinesfalls wollten wir Beiratsmitglieder Retraumatisierungen riskieren, so dass wir uns zu einer weiteren Veranstaltung veranlasst sahen.
Am Erzähltag kamen 9 Gäste zusammen, die nacheinander – zeitlich limitiert – von ihren teils schockierenden und Menschen unwürdigen Erlebnissen berichteten. Viele Tränen sind geflossen und haben alle Anwesenden Anteil nehmen lassen. Obwohl die Geschehnisse Jahrzehnte zurücklagen, waren die damit in Verbindung stehenden Demütigungen, Verletzungen und Aus-wirkungen sehr präsent. Viele Betroffene mussten diese Qualen über Jahre erdulden und alle leiden bis heute an den Folgen dieser Taten. Zudem kämpfen einige Betroffene immer noch um Gerechtigkeit, auch um finanzielle Anerkennungsleistungen.
Alle Gäste sind froh gewesen, gekommen zu sein, wurde uns Verantwortlichen rückgemeldet. Da es eine Befreiung darstellt, in einem geschützten Raum und Rahmen über teils Unvorstellbares reden zu dürfen. Es gehört sehr viel Mut und Vertrauen dazu, sich vor anderen zu öffnen. Das Mitteilen kann gleichzeitig auch eine Chance sein, in der persönlichen Entwicklung zu wachsen.