Gebetstag für Betroffene sexuellen Missbrauchs am 18.11.2024

Papst Franziskus hat einen jährlichen Gebetstag für Opfer sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche angeregt. Die deutschen Bischöfe haben nun festgelegt, dass dieser von Kirchengemeinden jeweils am (bzw. um den) 18. November begangen werden sollte.

Der Gebetstag am 18. November 2024 findet in Gemeinden statt, die an diesem Tag Veranstaltungen organisieren oder in Gottesdiensten behandeln. Er bietet die Gelegenheit, an sexualisierte Gewalt zu erinnern und dies mit religiöser Sprache, in der Liturgie oder mit anderen Stilmitteln zum Ausdruck zu bringen.

Weitere Informationen und Vorschläge zum herunterladen finden sich bei der Deutschen Bischofskonferenz.

An diesem Datum findet im Übrigen der „Europäische Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch“ statt.

Diözese aktualisiert Missbrauchszahlen

Im vergangenen Jahr hat das Bistum Rottenburg-Stuttgart 34 neue Missbrauchsvorwürfe gegen Kirchenmitarbeiter erhalten. Das geht aus dem Jahresbericht zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Bistum hervor. Die neu gemeldeten Fälle betreffen keine aktuellen Vorfälle, sondern liegen teils lange zurück.

Damit stieg die Zahl der Betroffenen sexualisierter Gewalt in der Diözese um 33 Personen. Insgesamt sind dem Bistum für die Zeit von 1946 bis Ende September 2024 nun 454 Betroffene und 241 Beschuldigte bekannt.

Derzeit leben in der Diözese zehn Priester, die zu Tätern wurden. Ihr Altersdurchschnitt beträgt knapp 63 Jahre. Sieben von ihnen sind im Ruhestand, mit Auflagen belegt oder von allen pastoralen Tätigkeiten ausgeschlossen. Drei der Priester üben noch eine nicht-leitende Funktion aus, die im Rahmen der Bestrafung und der begangenen Taten erlaubt ist.

Papst bittet um Vergebung für Missbrauch

Bei einer Bußfeier im Rahmen der Weltsynode baten Kardinäle stellvertretend für alle Katholiken feierlich um Vergebung für Sünden und Verfehlungen in der Vergangenheit. Während der Vigil im Petersdom betonte Papst Franziskus, dass die Kirche für ihre Verfehlungen Buße tun müsse.

Besonders im Fokus stand dabei der Umgang mit sexuellem Missbrauch. Es sei unerlässlich, die großen Sünden der Kirche und ihrer Vertreter deutlich zu benennen, betonte Franziskus. Vor der Ansprache des Papstes hatten ranghohe Kardinäle verschiedene Vergebungsbitten für insgesamt sieben Sünden vorgetragen.

Kardinal Seán Patrick O’Malley formulierte zum sexuellen Missbrauch: „Ich (…) schäme mich für all die Male, in denen wir Gläubigen Komplizen waren oder direkt Gewissensmissbrauch, Machtmissbrauch und sexuellen Missbrauch begangen haben. Wie viel Scham und Schmerz empfinde ich, wenn ich insbesondere an den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen und verletzlichen Menschen denke, Missbrauch, der die Unschuld gestohlen und die Heiligkeit der Schwachen und Hilflosen entweiht hat.“

Quelle: Vaticannews

Abschlussbericht Bistum Osnabrück

Die Universität Osnabrück hat den Abschlussbericht zur Missbrauchsstudie vorgelegt. Der Titel der Studie lautet „Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung: Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen durch Kleriker im Bistum Osnabrück“.

Im Rahmen des Projekts hat sich u.a. eine Erklärung für das Nichthandeln bei sexualisierter Gewalt gezeigt. Eine Mitursache für Nicht-Erkennen oder Fehldeutungen war die Art und Weise, wie über Beobachtungen und Erfahrungen zu sexualisierter Gewalt gesprochen und geschrieben wurde – von Klerikern, Gemeinde- und Familienmitgliedern, teilweise auch von Betroffenen. Sexualisierte Gewalt wird „umgedeutet“, Muster des Redens über sexualisierte Gewalt wurden in der Studie erkennbar.

Die einzelnen Kapitel des Abschlussberichts wurden auf der Projektseite nach Themen sortiert und aufbereitet. Das Gesamtdokument des Abschlussberichts kann hier heruntergeladen werden.

Bereits die Vorlage des Zwischenberichts im Herbst 2022 führte dazu, dass im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt erstmalig ein deutscher Bischof seinen Rücktritt anbot, den Papst Franziskus dann angenommen hatte.

Hinweis: Im Bericht werden Einzelheiten von Fällen sexualisierter Gewalt beschrieben. Solche Beschreibungen können v.a. für selbst Betroffene belastend sein und negative Gedanken und Empfindungen auslösen. Beurteilen Sie bitte selbst, ob Sie sich damit auseinandersetzen können bzw. möchten. Hilfsangebote finden Sie hier.

Zwischenevaluation der Aufarbeitung in der Katholischen Kirche in Deutschland

Auf einer Fachkonferenz am 8. Oktober 2024 wurden die Ergebnisse der Zwischenevaluation zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche vorgestellt. An der Konferenz nahmen Vertretende von Aufarbeitungskommissionen und Betroffenenbeiräten teil.

Die Evaluation bezieht sich auf die Umsetzung der 2020 verabschiedeten „Gemeinsamen Erklärung“. Diese legt Standards für unabhängige, transparente und betroffenenzentrierte Aufarbeitung fest und fordert unabhängige Kommissionen in allen (Erz-)Diözesen. Seit 2020 wurden solche Kommissionen eingerichtet. Die Zwischenevaluation überprüft ihre Arbeit, besonders die Betroffenenbeteiligung.

Ziel ist es, Strukturen zu erkennen, die Missbrauch begünstigen, und effektiven Schutz zu gewährleisten. Die Ergebnisse sollen helfen, die Aufarbeitung zu verbessern und gleiche Standards in allen Diözesen sicherzustellen. Die Konferenz diente dabei als Forum für Reflexion, Austausch und Diskussion über zukünftige Schritte. Bischof Dieser betonte: „Die unabhängige Aufarbeitung ist unentbehrlich.“

Quelle: Pressemitteilung der DBK

Erster Betroffenentag in Rottenburg-Stuttart stattgefunden

Am 5. Oktober 2024 hat der erste Betroffenentag in der Diözese Rottenburg-Stuttgart sehr erfolgreich stattgefunden. Mit über 30 Teilnehmenden war der Tag ausgesprochen gut besucht.

Im Mittelpunkt standen zunächst das Kennenlernen und ein Bericht des Betroffenenbeirats. Anschließend ging es um die Bedürfnisse der Betroffenen. Erfahrungen und zahlreiche Probleme wurden dabei angesprochen. Auch Wünsche und „Aufträge“ an den Betroffenenbeirat wurden geäußert.

Viele der Betroffenen waren dankbar für die Möglichkeiten, die der Tag ihnen geboten hat: Vom persönlichen Kennenlernen, über das Reden über das erlittene Leid, gegenseitige Unterstützung, bis dahin, Informationen zu Hilfen zu bekommen.

Die Auswertung ergab eine sehr hohe Zufriedenheit mit dem ersten Betroffenentag. Die Versammlung war sich darin einig: Ein zweiter soll unbedingt folgen!

Neuer Bischof spricht sexuellen Missbrauch an

Bei der Bekanntgabe der Bischofswahl durch das Domkapitel am Mittwoch (2.10.24) hielt der designierte Bischof Dr. Klaus Krämer im Rottenburger Dom eine kurze, programmatische Ansprache.

Dabei betonte er explizit die derzeitigen „großen Herausforderungen“ für die katholische Kirche. Er bezog sich auf den „enormen Vertrauensverlust“, der durch sexualisierte Gewalt in der Kirche und durch „den unangemessenen administrativen Umgang damit“ entstanden ist.

(Quelle: SWP/Rottenburger Post vom 4. Oktober 2024).

Papst bezeichnet sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche als „Schande“

Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in Brüssel sexuellen Missbrauch in der Kirche als „Schande und Demütigung“ bezeichnet. Die Kirche müsse sich schämen und um Vergebung bitten. Der Paps verwies darauf, dass es dieses Verbrechen auch „heute, inmitten der Kirche“ gibt. Die katholische Kirche sollte alles in ihrer Macht Stehende tun, damit das nicht mehr geschehe.

Wie die ARD-Tagesschau berichtet, hat zuvor Belgiens Ministerpräsident Alexander De Croo den Papst kritisiert und die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche gefordert.

Online-Beratung „Eckiger Tisch“

Der gemeinnützige Verein „Eckiger Tisch“ hat sein Beratungsangebot überarbeitet und seine Online-Beratungsstelle für Betroffene von sexuellem Missbrauch im kirchlichen Kontext neu eröffnet.

Das Beratungsangebot folgt dem Prinzip „Betroffene beraten Betroffene.“ Die Online-Beratungsstelle ist unabhängig von Kirchen und wird durch das Bundesministerium für Inneres und für Heimat gefördert. Betroffene können sich über ein Kontaktformular, per Email oder telefonisch an das Beratungsteam wenden.

Vorbereitung Betroffenentag

Auf die Einladung zu unserem Betroffenentag am 5. Oktober 2024 haben wir bereits viele positive Rückmeldungen erhalten. Etwa 30 Betroffene werden teilnehmen.

Im Moment bereitet sich der Beirat inhaltlich und organisatorisch auf den Betroffenentag vor. Wir freuen uns auf Zeit fürs Kennenlernen anderer Betroffener, auf Erfahrungsaustausch, Gespräche und das Planen der nächsten Schritte.

Anmeldungen zum Betroffenentag sind noch möglich – bitte bis spätestens 22. September, damit wir gut planen und das Essen entsprechend bestellen können. Nach der Anmeldung kommen dann weitere Informationen: Der genaue Ort, eine Anreisebeschreibung, der geplante Ablauf.