Betroffene

Wer sind Betroffene? Wer ist von sexualisierter Gewalt in der Diözese Rottenburg Stuttgart betroffen?

Innerhalb der katholischen Kirche sind viele Menschen von sexualisierter Gewalt betroffen: Frauen und Männer, Mädchen und Jungen, trans- und intersexuelle Personen, ältere und jüngere Menschen.

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart sind seit 1946 (bis September 2024) 454 Betroffene bekannt geworden (und 241 Beschuldigte). Viele Betroffene tauchen in dieser Statistik aber nicht auf, weil sie nicht bekannt sind, viele sind bereits gestorben. Von den Lebenden haben sich viele noch nicht bei der Kommission sexueller Missbrauch gemeldet (wir laden dazu ein, dies zu tun! Gerne begleiten und beraten wir Betroffene dabei).

Neben direkt von sexualisierter Gewalt Betroffenen sind viele Menschen auch mittelbar betroffen: Eltern, Zeuginnen und Zeugen, Partnerinnen und Partner von direkt Betroffenen, Geschwister usw. Auch sie benötigen oft Hilfe, Unterstützung, Beratung, Anerkennung und Gesehenwerden.

Betroffene in der Kirche

In der katholischen Kirche wurden Betroffene – auch in der Aufarbeitung – lange ignoriert: die traumatischen Situationen, die Gefühle, die Auswirkungen und lebenslange Folgen für die Betroffenen wurden und werden nicht gesehen.

Sexuelle Übergriffe gab und gibt es von Priestern oder Ordensleuten, von Beschäftigten oder ehrenamtlich Engagierten in der Kirche. Sexueller Missbrauch fand und findet in kirchlichen Institutionen und Verbänden statt: in Kirchengemeinden, Jugend-, Alten- oder Pflegeheimen, Einrichtungen für Menschen mit Handicaps, in katholischen Schulen, Kindertageseinrichtungen, Jugendverbänden.

Innerhalb von Kirchen ist sexualisierte Gewalt zusätzlich häufig verknüpft mit geistigem (spirituellem) Missbrauch. Die Folgen und Belastungen für die Betroffenen werden dadurch noch gesteigert.

Welche Folgen hat sexualisierte Gewalt bei Betroffenen?

Die Folgen sexualisierter Gewalt in Kindheit oder Jugend sind gravierend und äußern sich ganz unterschiedlich: Verdrängen, Depressionen, Aggressivität, Schwierigkeiten in Beziehungen, sexuelle Probleme, Kriminalität, Suizidgedanken oder -versuche, Vertrauensverlust, Schuldgefühle, Angststörungen, Selbstverletzung, Suchtverhalten, Schwierigkeiten im Berufsleben, körperliche Gesundheitsprobleme, Einsamkeit, Schwierigkeiten im Umgang mit Vertrauen.

Besonders Kinder und Jugendliche können diese Erfahrungen nicht bewältigen, sie werden und bleiben traumatisiert. Oft wird von den Betroffenen besonders entwürdigend erlebt, wenn ihnen nicht geglaubt oder nicht geholfen wurde.

Viele Betroffene von sexualisierter Gewalt hatten und haben Schuldgefühle oder schämen sich. Schuld haben jedoch allein die Täter, und diejenigen in kirchlichen Institutionen, die diese Taten zuließen, deckten, vertuschten oder sogar unterstützten!

Warum tauchen verdrängte Erfahrungen oft erst Jahrzehnte später wieder auf? Wie kann ich mit Erinnerungen umgehen? Welche Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung für Betroffene gibt es?

Wir vom Betroffenenbeirat unterstützen Sie gerne bei Fragen oder informieren Sie über Hilfsangebote.

Weitere hilfreiche Informationen finden sich auf dem Wissensportal des ist N.I.N.A. e. V. (= Nationale Informations- und Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend).