Die Aufarbeitungskommission in Fulda hat ihren Abschlussbericht vorgelegt. Darin zeichnet die Kommission ein erschütterndes Bild: Verantwortliche des Bistums reagierten mit Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der Betroffenen nach der sexualisierten Gewalt durch Geistliche. Der Bericht dokumentiert auch das Ausmaß des erlittenen Unrechts. Bis mindestens Ende der 1990er-Jahre sei das Wohl der Betroffenen hinter den Schutz des kirchlichen Ansehens zurückgestellt worden.
Die Kommission nennt den „Klerikalismus“ in der katholischen Kirche als eine Hauptursache für die Gleichgültigkeit gegenüber den Betroffenen und für das systematische Wegsehen und Vertuschen von Missbrauch seit 1945. Die Leitung des Bistums wollte vor allem den Ruf der Kirche schützen – nicht die Opfer. Das Leid der Betroffenen wurde weitgehend ignoriert. Niemand interessierte sich dafür, wie es ihnen ging und geht. Bis 2010 sei kein einziger Fall bekannt, in dem ein Bischof von sich aus Kontakt zu einem Betroffenen aufgenommen habe. Nur in einem Fall habe ein Ortspfarrer eigenständig versucht, einem Opfer beizustehen.